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Flipped Classroom oder: Unterricht auf den Kopf stellen

Was spricht dafür, Lerninhalte zu vermitteln, indem diese, häufig in Form von Lernvideos, zu Hause erarbeitet und anschließend im Unterricht geübt werden?

Ursprünglich zielte die Methode Flipped Classroom vor allem darauf, Lerninhalte effizienter darzustellen. Zum Beispiel die schriftliche Multiplikation. Üblicherweise erklärt man im Unterricht, wie sie geht, und demonstriert die Technik Schritt für Schritt an ein, zwei Beispielen. Das verstehen natürlich nicht gleich alle. Also wird es erneut erklärt. Spätestens beim dritten Nachfragen werden die Schnellen ungeduldig, während andere auch danach noch Fragezeichen in den Augen haben. Nicht selten werden sie aufs Schulbuch verwiesen und fühlen sich mehr oder weniger unfähig. Das ist für Lernende wie Lehrende gleichermaßen frustrierend. Beim Flipped Classroom wurden (und werden) daher zur Einführung oft Lernvideos eingesetzt, die zu Hause so oft angeschaut werden können, bis es klar ist: zur Einführung und zum Nachschauen, um es sich einzuprägen.

Zunehmend schülerzentriert

Anfangs war die Methode ziemlich lehrerzentriert. Dann wurde das Lerntempo der Schülerinnen und Schüler stärker berücksichtigt, alles Weitere erfolgte aber weiterhin lehrerzentriert. Der nächste Entwicklungsschritt war bzw. ist das Flipped Learning, das zunehmend schülerzentriert gestaltet wird.

Kontinuierlich modifiziert

Die scolix-Autorin Mareike Gloeckner stellt fest: „Die Methode Flipped Classroom ist schwierig zu definieren, es gibt nicht die eine Definition, die jeder eins zu eins in seinem Unterricht einsetzen kann. Ich flippe mittlerweile ganz anders, als ich es noch anfangs tat, da sich mit dieser Methode nicht nur mein Unterricht verändert hat, sondern auch ich mich als Lehrkraft verändert habe und dies stetig weiter tue. Die Methode öffnet einem die Tür zu weiteren Methoden, knüpft an viele bekannte Konzepte an und modifiziert sich kontinuierlich. Die Reduktion auf den Einsatz von digitalen Materialien in Form von Lernvideos wird der Methode nicht gerecht, da sowohl digitale als auch analoge Materialien eingesetzt werden können und sollen. Es geht also um eine Form des Lernens, die schülerorientiert ist, die Bedürfnisse und Ziele des einzelnen Lernenden ins Zentrum des Lerngeschehens rückt und den Ansprüchen an einen kompetenzorientierten Unterricht gerecht wird. Das klingt ideal, ist im Alltag aber aufgrund vieler verschiedener Faktoren wie vollen Klassen, breiter Heterogenität, ungenügender Rahmenbedingungen bezüglich Raum-, Medien- und Materialausstattung oft nicht umsetzbar. Denn obwohl wir uns der Notwendigkeit und Existenz neuer Lernwege bewusst sind, hängt es häufig an ebendiesen Bedingungen. Es lohnt sich, Möglichkeiten kennenzulernen, wie der Flipped Classroom mit wenig Aufwand und flexibel an die Bedürfnisse der individuellen Lehrkraft sowohl im kleinen Rahmen, z. B. für Stundeneinstiege oder längere Unterrichtsphasen, z. B. bei der Bearbeitung einer aufgabenorientierten Lernaufgabe, eingesetzt werden kann.“