Annas Tafelzauber Blog

Die Resilienz der Kinder stärken

von Anna Gießer

15.02.2024

Kinder im Unterricht

„Frau Lehrerin/Herr Lehrer, ich habe hier ein Problem. Kannst du es für mich lösen?“

Überspitzt formuliert erleben wir Lehrkräfte täglich ähnliche Situationen, in denen wir kleine und größere Probleme von Kindern geschildert bekommen, die wir im Anschluss für sie lösen sollen. Sie möchten von uns wissen, was sie nun tun sollen, damit der Freund nicht mehr böse ist. Sie wollen wissen, wie sie eine Murmelbahn basteln oder wie sie etwas zu einem Thema herausfinden können.

Wie man mit den Fragen und Anliegen der Kinder wertschätzend umgehen und gleichzeitig die Resilienz der Kinder fördern kann, erkläre ich dir in diesem Blogbeitrag. Ich schildere dabei meine eigenen Erfahrungen aus meinem Unterrichtsalltag.

 

Was bedeutet Resilienz?


Ich beschreibe Resilienz gerne mit den Worten Widerstandsfähigkeit und Willenskraft. Welter-Enderlin und Hildenbrand definieren Resilienz in ihrem Werk so: „Unter Resilienz wird die Fähigkeit von Menschen verstanden, Krisen im Lebenszyklus unter Rückgriff auf persönliche und sozial vermittelte Ressourcen zu meistern und als Anlass für Entwicklung zu nutzen. (Welter-Enderlin & Hildenbrand, 2006, S. 13)“

Das bedeutet, dass Kinder, die dazu angeregt werden mittels ihrer Ressourcen selbst Lösungen zu finden und Herausforderungen zu lösen, eine größere Resilienz entwickeln als Kinder, die die Lösungen sofort auf dem Silbertablett serviert bekommen. Meiner Meinung nach ist hierbei selbstverständlich zu unterscheiden, welche Herausforderungen/Probleme von Kindern gelöst werden können und welche von Erwachsenen gelöst werden müssen. Kleine Herausforderungen können zum Beispiel das Bauen einer Murmelbahn, das Erforschen von Magnetismus, das Einholen von verschiedenen Meinungen oder das Lösen eines Streites sein.

Resilienz gliedert sich in mehrere Resilienzfaktoren, die in vielen Artikeln genauer nachgelesen werden können. In diesem Blogbeitrag würde dies den Rahmen sprengen.

 

Wie kann ich die Resilienz meiner Kinder im Unterricht fördern?

 

Damit ich die Resilienz meiner Kinder fördern kann, muss ich ihnen ein Werkzeug an die Hand geben, um selbstständig handeln zu können. Mit Werkzeug meine ich Kompetenzen, zum Beispiel soziale Kompetenzen. Die Kinder sollen nicht einfach mit einem Streit allein gelassen werden, sondern sollen dazu angeregt werden, selbst Lösungsstrategien zu finden. Dazu braucht es selbstverständlich Input von der Lehrkraft. Außerdem bedeutet Resilienz, eine Vermittlung von Selbstbewusstsein und Selbstwirksamkeit.

In meinem Unterricht habe ich immer wieder soziale Themen, wie Vertrauen, Wertschätzung, Freundschaft, Friede, usw. mit den Kindern besprochen. Dazu habe ich Bilderbücher vorgelesen, Rollenspiele mit den Kindern gemacht, Gesprächs- und Reflexionsrunden oder andere Methoden verwendet. Dabei haben wir immer versucht das Thema auf den Alltag der Kinder zu beziehen. Wie gehen die Kinder mit Vertrauen um, das ihnen geschenkt wird? Wie gehen die Kinder mit ihrer Freundschaft zueinander um? Welche Methoden gibt es, um einen Streit zu lösen? Wie kann man sich entschuldigen? Dadurch haben die Kinder von mir ein Werkzeug bekommen, mit dem sie im Anschluss arbeiten konnten. Ebenso haben wir besprochen, was es heißt Dinge auszuprobieren, Neugier für etwas zu haben oder auch mal zu scheitern. Was bedeutet es, wenn mal ein Fehler gemacht wird? Auch durch diese Inhalte wussten die Kinder, dass es völlig normal ist etwas nicht zu können, einen Fehler zu machen oder zu scheitern. Daraus lernt man und wird stärker. Wie habe ich nun in weiterer Folge die Resilienz der Kinder gestärkt?

Ich habe die Kinder ausprobieren, experimentieren, forschen, selbst tätig werden lassen. Ich habe ihre Anliegen, mit denen sie zu mir gekommen sind, immer ernst genommen. Ich habe aber immer versucht, je nachdem welches Anliegen es war, die Kinder dabei zu unterstützen zuerst selbst Lösungen zu finden. Sie sollten ihre Werkzeuge, die sie von mir bekommen haben, anwenden. Sie sollten selbst versuchen Möglichkeiten zu finden, um ihr Anliegen zu lösen, natürlich mit der nötigen Unterstützung.

Lehrerin unterrichtet Kinder

Reflexionsrunden können dabei eine große Hilfe sein. Man kann mit den Kindern in Einzel- oder Gruppengesprächen (oder mit der gesamten Klasse) in den Austausch gehen und erfragen, wie sich die Kinder bei jener Herausforderung verhalten und gefühlt haben. Was hat ihnen geholfen zu einer Lösung zu kommen. Reflexionsgespräche empfehle ich von ganzem Herzen. Es ist oft unglaublich, was die Kinder dabei antworten.

 

Beispiele aus dem Unterricht

 

Die Schilderungen aus meinem Unterricht sind aus Datenschutzgründen leicht abgewandelt. Sie verändern allerdings nicht die „Message“.

 

Situation 1:

Kind: „Frau Lehrerin, ich habe hier so viel Papier. Morgen nehme ich eine Murmel von zuhause mit. Ich möchte eine Murmelbahn bauen, aber das kann ich gar nicht. Wie soll ich das machen?“

Ich: „Das ist aber eine kreative Idee! Gut, dass du viel Papier hast. Überlege einmal, was du noch brauchen könntest, um eine Murmelbahn zu bauen. Probiere es einfach aus und versuche einen kleinen Teil der Bahn zu bauen. Du kannst ihn anschließend testen und herausfinden, ob deine Idee funktioniert. Du schaffst das!“

Ich gebe dem Kind Werkzeug an die Hand, indem ich es auf einzelne Schritte, die es machen kann, hinweise. Allerdings liefere ich dem Kind keine genaue Bauanleitung. Durch Ausprobieren, Scheitern, erneutes Ausprobieren und den Erfolg danach entwickelt das Kind Resilienz.

Grundschulkinder lösen eine Aufgabe

 

Situation 2:

Kind: „Frau Lehrerin, ich möchte mich bei meiner Freundin entschuldigen. Wir haben uns gestern gestritten und ich war unfair zu ihr. Wie kann ich mich entschuldigen? Was soll ich tun?“

Ich: „Ich finde es mutig, dass du dich entschuldigen möchtest. Überlege einmal, was deiner Freundin eine große Freude bereiten könnte. Du kannst alle deine Ideen aufschreiben oder aufzeichnen und dann entscheiden, welche Idee du am besten findest.“

Das Kind soll auch hier selbst ins Denken kommen. Es soll selbst überlegen, wie es sich entschuldigen möchte.

 

Um die Resilienz der Kinder zu fördern, braucht es aus meiner Sicht viel gegenseitige Wertschätzung und Aufmerksamkeit, lösungsorientierte und selbstständige Arbeitsweisen und Erfolgserlebnisse durch angemessene Aufgaben.

 

Quellen:

Welter-Enderlin, R. & Hildenbrand, B. (Hrsg.) (2006). Resilienz – Gedeihen trotz widriger Umstände. Heidelberg: Carl-Auer.

 

Anna Gießer

Ich bin Anna, leite mein eigenes Nachhilfeinstitut, gebe Legasthenie- und Dyskalkuliestunden und halte vielfältige Workshops und Fortbildungen. Meine Schwerpunkte liegen in der Förderung, da ich neben meinem Studium die Ausbildung zur Legasthenie- und Dyskalkulietrainerin absolviert habe. Zudem habe ich bereits als Volksschullehrerin in Österreich gearbeitet und eine erste Klasse unterrichtet. Auf meinem Instagram-Profil "Annas Tafelzauber" kannst du mehr über mich erfahren.